Essen Motor Show: „Mein Mekka…“

Jeder von uns hat seinen Jakobsweg, sein Mekka, seinen heiligen Gral. Meiner liegt in Essen. Tief im Westen der Republik. Da wo die Sonne verraucht. So ähnlich hat Gröni das schon mal über Bochum erzählt und das ist ja gleich nebenan. Hier in Essen, im Herzen des „Potts“, hier sind sie zu Hause, die Schraubergötter, die Asphaltcowboys, die Jungs, die aus ihren Allerwelts-Brot-und-Butter-Karren wahre Schmuckstücke machen. In keiner Region Deutschlands gibt es so viele Freaks der heißen Reifen wie hier.

Hier muß er also sein, der Tempel all meiner Sehnsüchte. Hier findet sie statt, die Essen Motor Show. Immer Ende November, Anfang Dezember steigt da die Megasause. Let’s pimp! Hier gibt es nichts was es nicht gibt. Hier findest du garantiert die LED Heckleuchte für deinen Golf, gerne auch in Pink, damit sie deinem Schätzchen den letzten Schliff gibt, hier kriegst du die metallisch glänzenden Fußmatten, welche deinen Innenraum zum Raumschiff Enterprise werden lassen. Hier gibt es wirklich alles. Und hier kannst du träumen. Du mußt einmal rum laufen und wirst nicht satt vom Schauen.

Ich bin fast über meinen Kameragurt gestolpert, als ich auf dem Stand von H&R ehrfürchtig vor einem gerade noch so als Mercedes SLR zu erkennenden Traum in weiß – in MATTWEISS!!! – auf die Knie ging! Ein Glück, daß überall die netten Damen mit ihren knappen Kleidchen bereit stehen, um einem hoch zu helfen. So stolpert man von Stand zu Stand, von Highlight zu Highlight. Bei Brabus ist man hin und her gerissen, auf der einen Seite die zukunftsweisenden Elektro-Smart mit ihrer umweltfreundlichen Technologie und auf der anderen Seite die pure, kraftvolle Unvernunft. Beim Brabus EV 12 „one of ten“ hat man sogar die Hinterräder verkleidet, damit die Aerodynamik bei 370 km/h (!) nicht zu sehr gestört wird. 800 PS mit 1.420 Nm Drehmoment – Was will so ein Auto aufhalten?!

Überhaupt: wo kann man seinen Träumen so nahe sein wie auf der Essen Motor Show? Da steht der Dienstwagen von Sebastian Vettel so da, als käme er direkt von der Rennstrecke – und der DTM-Mercedes von Gary Paffett kuschelt sich nicht weit davon auf seinen Stand. Ekströms Audi sieht aus, als wolle er sich gleich in die erste Kurve stürzen und die Rennfahrerlegende Klaus Ludwig findet man mitten im Benzin-Gespräch. Den frischgebackenen DTM-Champion 2009, Timo Scheider, treffe ich auf der Carrera-Bahn. Und er ist schnell, der Junge, so schnell, daß die Rundenrekorde reihenweise fallen, dabei ganz lässig, eine Hand in der Hosentasche, voll konzentriert, am Limit auch im Maßstab 1:32. Gebt diesem Mann ein Auto, egal in welcher Größe, und er siegt! Das infernalische Quietschen, das immer lauter wird, kommt aber ganz bestimmt nicht von den kleinen Flitzern. In der Halle nebenan gibt es Gummi satt – und zwar auf dem Boden. Denn in der Motorsport-Arena wird gedriftet was das Zeug hält. Einfach phantastisch. Der Belag ist irre glatt und es ist gar nicht so einfach, im gekonnten Drift die Spur zu halten. Schnell bringt ein Schuß Gas zu viel die Hinterachse zum überholen und es kreiselt sich so schön zwischen den Pylonen im Nebel verbrannter Gummis. Genau das Richtige für die beiden Autohändler Jörg und Dragan, welche auf RTL die schrägsten Karren an den Mann bzw. noch lieber an die Frau bringen. Hier auf der Motor Show lassen sie es krachen. Ob sie wohl ein neues Schnäppchen suchen? Oder einfach nur den süßen Girls unter die Hauben gucken wollen?! Keine Ahnung – auf jeden Fall haben sie offenbar eine Menge Spaß.

Eine Halle weiter riecht es plötzlich ziemlich streng – Nein: streng ist das falsche Wort. Intensiv, das trifft es schon eher, noch nicht einmal unangenehm, im Gegenteil, sogar anregend, animalisch. Der Duft kommt aus einem Hummer, dem ultimativen Geländewagen – und der Duft stammt vom Büffel. Feinstes Leder verströmt ein Aphrodisiakum der Sinne, macht den Geländehammer zum Eros-Center. Ein Stück weiter beginnt die Erde zu beben: Hi-Fi in High-End läßt jede Scheibe klirren. Die Showcars sind voller Elektronik, Boom-Boxen auf Rädern. Einfach megamäßig, was technisch alles machbar ist. So zugedröhnt kann man nur noch in Glückseligkeit fallen. Ein Fest der Sinne. Schauen, Riechen, Hören, Fühlen – kein Bedürfnis kommt zu kurz. Ich hab mein Mekka gefunden – es ist die Essen Motor Show. Mehr Infos: http://www.essen-motorshow.de (Text & Fotos: Ralf Mohr)

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Eine Antwort to “Essen Motor Show: „Mein Mekka…“”

  1. Peter Says:

    Ich habe gelesen der Polizei BMW wird so in den USA ausgeliefert. Gruß Peter

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