80. Internationaler Auto-Salon in Genf

Davidoff? Kennt man(n). Omega und Rolex sowieso. Das sind berühmte Marken aus der Schweiz, genau wie Ricola und Nescafé. Sie stehen für eine gelungene Mischung aus Tradition und Moderne – genau wie der Staat selbst. In den vergangenen Jahren entwickelte sich das ganze Land zur Marke, genau wie seine größeren Städte. Genf ist zum Beispiel eine Uhrenmetropole, außerdem der Hauptsitz vieler politischer Organisationen und Ausrichter des „Internationalen Auto-Salon“. Jener fand Anfang März zum 80. Mal statt. In der Vergangenheit wurden hier unzählige, wundervolle Fahrzeuge präsentiert – einige davon wuchsen zu Legenden, darunter der Chrysler Airflow, ein Maybach Zeppelin, Jaguar Type E oder auch der Audi Quattro. Dieses Jahr stand der Salon unter dem Motto „Die Zukunft hat schon begonnen“. Wird sie uns neue Klassiker bringen?


Mehr als 100 Welt- sowie Europapremieren warteten Anfang März auf die Besucher – alleine 16 davon waren mit Elektro- oder einem anderen, alternativen Antrieb ausgestattet. Das sind die Zeichen der Zeit! Sie waren auch auf den anderen Messen in Frankfurt, Detroit und Los Angeles zu erkennen: Der Trend geht immer stärker hin zu umweltfreundlichen Fahrzeugen sowie neuen, technischen Lösungen für eine saubere Mobilität der Zukunft. Fast alle Hersteller zeigten interessante Konzepte, die zum Teil schon morgen auf die Straßen rollen werden. Auf einer Standfläche von 78.000 Quadratmetern wurden 700 Marken präsentiert – viele davon auch aus dem Tuning- sowie Zubehörbereich. Neben fünf neuen Ausstellern, zu denen auch die Bufori Motor Car Company aus Malaysia zählt, wurde in Genf das Wiedersehen mit der ehrwürdigen Marke Hispano-Suiza gefeiert. Die hat schon Tradition – genau wie Bentley, Citroen, Fiat, Lancia, Peugeot und Renault, welche alle von Anfang an auf dem Genfer Salon vertreten waren und auch in diesem Jahr viele Highlights zeigten.

Peugeot nutzte die Messe, um den neuen Markenauftritt sowie die künftigen Ziele des Unternehmens vorzustellen. 2010 feiern die Franzosen ihr 200-jähriges Bestehen. Zu diesem Anlass möchte Peugeot seine visuelle Identität verändern: künftig werden das neue, internationale Logo sowie der Leitspruch „Motion & Emotion“ im Vordergrund stehen. Und dahinter? Kommen eine modifizierte Produktstrategie sowie die geplante Vorreiterrolle in Sachen Umweltschutz. Außerdem will der französische Hersteller eine neue Formensprache einführen, das Design der Fahrzeuge soll die frühere Eleganz zurück auf die Straßen bringen. Wie das aussehen könnte, war an den Studien SR1 sowie „5 by Peugeot“ sehen, einer automobilen Hommage an die eigene Geschichte formschöner Coupé- sowie Mittelklassemodelle. Der 4,86 m lange „5“ soll bereits im kommenden Jahr als 508 in Serie gehen. Dann könnte auch ein Diesel-Hybrid unter der Haube stecken: Das neue Triebwerk leistet 200 PS, verbraucht dabei im Schnitt nur 3.8 Liter Diesel auf 100 Kilometer und soll nur 99 g CO2 emittieren. Peugeot will bis 2015 im internationalen Automarken Ranking um drei Plätze aufsteigen, dazu sollen auch neue Märkte erschlossen werden.

FIAT auf dem Weg nach oben

Fiat ist ebenfalls auf dem Weg nach oben – die Italiener beschreiten dabei jedoch außergewöhnliche, technische Wege: In Genf präsentierten sie ein neues TWIN-AIR Triebwerk, Vorbote einer komplett neuen Motorenbaureihe. Der mit einem Turbolader ausgerüstete Zweizylinder-Benziner leistet aus 900 Kubikzentimetern Hubraum 85 PS und produziert dabei lediglich 95 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer. Er soll ab Herbst zunächst im Fiat 500 angeboten werden. Von dem kultigen automobilen Zwerg gab es in Genf übrigens eine ganz besonders scharfe Variante zu bestaunen: den Abarth 500C, eine 140 PS starke Cabrio Version. Alfa Romeo stellte ein paar Meter weiter mit der Studie 2uettottanta sowie der neuen Giulietta gleich zwei Stars des Genfer Salons. Beide Fahrzeuge bestechen durch ihr geschmackvolles Design mit dynamischen, schwungvollen Linien. Pininfarina zeichnete die zweisitzige Studie 2uettottanta anlässlich des 80. Firmenjubiläums, als Vorbild gilt der „Duetto“ aus den 1960er Jahren. Wie das Original verfügt der Neue ebenfalls über einen Längsmotor mit Heckantrieb – die Studie könnte als Basis für einen neuen Spider dienen, aber das steht noch in den Sternen. Ganz im Gegensatz zur Giulietta: Bereits im Mai wird die moderne fünftürige Limousine zu den Händlern kommen. Sie soll die praktische Alltagstauglichkeit der kompakten Mittelklasse mit höchsten Sicherheitsstandards, innovativen Motorisierungen und der dynamischen Eleganz von Alfa  verbinden. Als Hommage an den gleichnamigen, längst legendären Vorgänger aus den 1950er Jahren tritt die Giulietta mit fünf fortschrittlichen Vierzylinder-Turbomotoren an, die begeisternde Laufkultur und sportliche Fahrleistungen mit geringem Verbrauch und niedrigen Abgasemissionen kombinieren. Sie wird ab 19.900 Euro erhältlich sein.

Chrysler und Lancia präsentierten sich zum ersten Mal auf einer gemeinsamen Ausstellungsfläche, deren Gestaltungsmerkmale beide Marken symbolisch wie audiovisuell zusammenführen sollten. Gezeigt wurden unter anderem zwei Studien des Chrysler 300C. Unter der Motorhaube des „eco style“ fand sich ein 5.7 Liter V8 mit einem System zur Zylinderabschaltung: MDS schaltet unmerklich in einen kraftstoffeffizienten Vierzylinder-Modus, wenn die volle Leistung nicht abgerufen wird. So optimieren die Amerikaner den Kraftstoffverbrauch, ohne dafür Fahrleistungen zu opfern. Die Marken Dodge und Jeep waren ebenfalls in Genf vertreten: sie präsentierten dem Publikum zahlreiche Ikonen des „American Way of Drive“. Vor allem der Dodge Charger SRT8 und sein „kleiner“ Bruder, der Challenger SRT8 begeisterten durch ihre schiere Power: Beide werden von einem 6.1 Liter großen V8 Motor mit 425 PS und 569 Newtonmetern Drehmoment angetrieben – der HEMI ist übrigens das Triebwerk mit der höchsten spezifischen Leistung aller jemals von Chrysler angebotenen V8 Sauger. Beeindruckend – und was für echte Kerle mit Benzin im Blut. Ähnlich wie die Modelle von Jeep: Mit fast 70 Jahren legendärer 4×4 Erfahrungen löst jene Marke nach wie vor ihr Versprechen von automobilem Abenteuer, Freiheit sowie Unabhängigkeit für all jene ein, die das Leben in vollen Zügen genießen wollen, egal ob auf oder abseits befestigter Straßen.

Ein MINI mit vier Türen und der neue 5er BMW

Eine gehörige Portion Individualismus gab’s auch am Stand von MINI – das war schon immer so und wird wohl hoffentlich noch eine ganze Weile bleiben. Hoffentlich deswegen, weil sich der Hersteller immer neue Modelle einfallen lässt und den Mythos ziemlich ausreizt. In Genf feierte nun das vierte MINI Modell Premiere: der Countryman, ein Premium Fahrzeug, das „die Grenzen der urbanen Mobilität überschreiten“ will, in Richtung Sports Activity Vehicle entwickelt wurde und vier Türen sowie eine großen Heckklappe bietet. Daran muss man sich erst gewöhnen, vor allem, weil der Countryman somit nicht mehr so MINI wie seine Geschwister ist. Schick sieht er aber trotzdem aus, und das wird ihm sicher auch den gewünschten Erfolg bringen. Apropos Erfolg: BMW feierte in Genf die Weltpremiere der neuen 5er Limousine und zeigte als Ergänzung zum fertigen Modell eine interessante Studie namens „Concept 5 Series ActiveHybrid“. Deren Antriebssystem besteht aus einem Reihensechszylinder-Benziner mit TwinPower Turbo Technologie, einem Achtgang-Automatikgetriebe und einem Elektroantrieb. Diese Kombination sorgt für noch geringere Verbrauchs- und Emissionswerte als bisher. BMW spricht von unter 5 Litern auf 100 Kilometern – eine Sensation bei über 300 PS Leistung. Und mit Sicherheit wieder ein Erfolgsmodell.

Jede Menge Neues vom Volkswagen Konzern

Genau wie die neuen Volkswagen: Gleich vier Weltpremieren gab es zu bestaunen: der neue Sharan, die zweite Generation des Touareg, der Polo GTI sowie der Amarok, VWs erster Pickup seit Jahren. Alle Modelle wurden auf Sparsamkeit getrimmt: Die Wolfsburger setzten unter anderem auf „Downsizing“, also auf kleinere Motoren mit Turbo- bzw. Kompressoraufladung. Außerdem wurde das Gewicht der Fahrzeuge optimiert, der neue Touareg ist so fast 200 Kilogramm leichter wie der Vorgänger. Ihn wird es auch als Hybridvariante geben, mit einem V6 TSI Benziner plus Elektromotor. Systemleistung in Kombination: 380 PS. Dabei verbraucht der voll geländetaugliche SUV im Mittel nur 8,2 Liter Kraftstoff auf 100 Kilometer – also 193 g/km CO2. Bis 50 km/h kann der Touareg Hybrid elektrisch und damit emissionsfrei fahren. Auch die anderen Marken des Hauses hatten vielversprechende Fahrzeuge am Start. Beispiel: Audi mit dem A1 e-tron. Oder Porsche: Die Schwaben präsentierten den neuen 918 Spyder, den ersten Supersportwagen mit Hybridtechnik und einer Systemleistung von mächtigen 718 PS, die sich auf einen 3.6 Liter V8 sowie drei Elektromotoren verteilen. Dank der extrem leichten Kohlefaserkarosserie schafft der 918 Spyder 320 km/h Spitze, beschleunigt in 3.2 Sekunden von 0 auf 100 und soll nur 3 Liter Sprit verbrauchen. Traumwerte? Eine Serienproduktion ist noch nicht beschlossen – leider. Denn der Spyder ist wirklich spannend. Genau wie die neue Designwelt von SEAT, mit ihren puristischen Formen, präzisen Linien sowie exakten Flächen. Das ConceptCar IBE lieferte einen tollen Ausblick, es soll eine Art „konzentrierter genetischer Pool“ für die nächsten Fahrzeuggenerationen darstellen und künftige Modelle entscheidend prägen.

Auch Mercedes hatte einige interessante Konzepte zu bieten, allen voran das Forschungsfahrzeug F 800 Style, die Studie einer fünfsitzigen Oberklasselimousine. Deren neu entwickelte, flexible Multiantriebsplattform setzt Maßstäbe: Sie kann entweder für einen Elektroantrieb mit Brennstoffzelle oder den Einsatz von Plug-in-Hybrid Technik genutzt werden. Mercedes verspricht mit beiden Varianten emissionsfreie Mobilität auf höchstem Niveau, verbunden mit einem dynamischen Fahrerlebnis. Ebenfalls neu war der Mercedes-Benz E 300 BlueTEC HYBRID. Er vereint Dieseltriebwerk und Elektromotor zum ersten Dieselhybrid Westeuropas. Sein 15-kW-Elektromotor eignet sich auch für rein elektrisches Fahren und unterstützt den 2,2-Liter-Vierzylinder-Dieselmotor mit 150 kW (204 PS) beim Beschleunigen. Mit dem Dieselhybrid eröffnet Mercedes-Benz eine neue Ära: Der Verbrauch des E 300 BlueTEC HYBRID beträgt sensationelle 4,1 Liter pro 100 Kilometer. Markteinführung: Ende 2011.

Auch die Studie i-Flow von Hyundai hat große Chancen, so in Serie zu gehen – als neuer Sonata. Das wäre ein echter Gewinn, denn ihr Design begeistert. Was sonst noch positiv ins Auge fiel? Zum Beispiel der Nissan Juke, ein provokanter, kompakter Sympathieträger. Oder Toyota mit dem FT-86, einem würdigen Nachfolger für die legendäre Celica. Und nicht zu vergessen Renaults Wind sowie Dacia und ihr kompakter SUV, der Duster, welcher bereits im April zu den Händlern rollt. Ob bei all diesen Autos ein Klassiker dabei ist?! Das wird erst die Zukunft zeigen können. Aber die hat ja bekanntlich gerade begonnen… (Text : J. Nord, Bilder: Auto-Salon, Hersteller, Gerard Chardonnens http://www.photosanb.ch)

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